fbpx

masca8Unsere Autofahrt führte uns in das kleine Bergdorf Masca, welches im Tenogebirge auf ca. 650 Metern über dem Meeresspiegel im Nordwesten Teneriffas liegt. Durch die Gassen des Dörfchens, in dem rund 100 Menschen leben, führte uns der Weg über den Mittelpunkt des Ortes - einen kleinen Kirchplatz - zum Eingang der Masca-Schlucht. Da diese sowohl bei den Einheimischen, als auch bei den Touristen sehr beliebt ist nehmen von den rund 1Million Besuchern jährlich ca. 100.000 Menschen die Herausforderung an. Man findet unter den in Masca stehenden gerade mal rund 80 Häusern sogar ein paar kleine Souvenirläden. Wir betraten den unscheinbar wirkenden Schotter-Pfad zur Masca-Schlucht. Zuerst waren wir uns gar nicht sicher, ob dies wirklich der im Wanderführer beschriebene Weg sein sollte.

So wurde dort extra geschrieben, dass man den Weg nur mit gesunden Knien und gutem Gleichgewichtssinn beschreiten sollte und, dass auch geklettert und gekrakselt werden müsse. So wirkte dieser leicht steinige, abschüssige Weg auf den ersten Blick jedoch gar nicht. Wir wurden schnell eines besseren belehrt und merkten, dass dieser Weg doch gar nicht so anspruchslos war, wie er masca11zuerst schien. Zwischen den wuchtig wirkenden Felsen liefen wir zuerst noch relativ gemütlich den Wanderweg entlang, bei dem man an der ein oder anderen Stelle über Wurzeln oder Felsen steigen musste. Nach wenigen hundert Metern begann bereits der “wahre“ Wanderweg. Wir stiegen über Stock, Stein und Wurzeln und kamen vorbei an Terrassenfeldern, Maulbeerbäumen, Dattelpalmen, Kaktusfeigen und Agaven.

Wir wurden bei dieser teils anstrengenden Wanderung durch den atemberaubenden Ausblick und den faszinierenden Anblick der fast schon unnatürlich wirkenden Felswände belohnt, die rechts und links neben uns gute 600 Meter in die Höhe ragten. An den schmalsten Stellen, ist die Masca-Schlucht gerade einmal 30 Meter breit. Man kann sich diesen unglaublichen Anblick wohl kaum vorstellen, wenn man nicht selbst da war. masca9Nicht umsonst wird in den Wanderführern darauf aufmerksam gemacht, dass man körperlich relativ fit sein sollte, wenn man diesen Weg beschreiten möchte. Es gibt viele “Wege“, die als solche gar nicht auf den ersten Blick erkennbar sind und man merkt oft erst nach mehreren Metern, ob man richtig oder falsch gelaufen ist. In der Schlucht selbst ist in dem Sinne nicht wirklich etwas ausgeschildert, man kann sich aber an den aufsteigenden Zahlen orientieren, die dort an Felsen oder Bäumen zu sehen sind und findet so unweigerlich den richtigen Weg. So muss man sowohl kleinere Bäche überwinden oder an teils steilen Abhängen an den Felsen herunter bzw. entlang klettern. Meine Mutter erinnert noch heute eine Narbe an ihrem Ellenbogen an dieses Abenteuer. An einer Stelle, an der man ohne Hilfsmittel einen grob geschätzt 2-3 Meter hohen Felsen hinab klettern muss, sahen wir bereits von oben, dass am Boden blutige Taschentücher lagen.

Ungefähr an der Stelle, an der man aufkommen würde, wenn man fallen oder springen sollte. Kein schöner Anblick! Später erfuhren wir, dass dort tatsächlich jemand abgestürzt war, der kurz vor unserem Eintreffen am Ziel mit dem Helikopter aus der masca13Schlucht geholt wurde. Es ist leider so, dass Unfälle mit verletzten in der Masca-Schlucht und somit auch Helikopter- oder Bergrettungseinsätze dort eher Normalzustand als die Ausnahme sind. Möchte man auf Nummer Sicher gehen, sollte man eine geführte Wanderung in Erwägung ziehen. In jedem Falle ist aber zu empfehlen - das hatten wir nicht getan - sich für die Wanderung unter einer bestimmten Telefonnummer “anzumelden“, so würde man zumindest gesucht werden, sollte man nicht am Ziel ankommen. An einem Felsen findet man ein befestigtes Kletterseil, welches uns dabei half, den rund 3 Meter tiefen Graben zu meistern, welcher im regenreicheren Winter Teneriffas mit Wasser gefüllt ist. Eine Holzbrücke, die dort früher stand, fiel 2007 einem verheerenden Waldbrand zum Opfer. Wir waren sehr froh, dass wir diese Tour im Sommer gemacht haben. So waren die Bäche und Tümpel, welche Frösche und Libellen sogar für ein paar Monate ihr Heim nennen, noch nicht besonders voll Wasser gelaufen und uns wurde im meist Schattigen Teil der Schlucht nicht zu kalt. Besonders gut vorbereitet waren wir nämlich nicht. Zwar hatten wir vorsorglich festes Schuhwerk oder zumindest Turnschuhe an, waren aber nur mit kurzen Hosen und Tops bzw T-Shirts bekleidet. Ebenso hatten wir zwar Kekse als Snack und Wasser dabei, hätten aber Rückblickend bestimmt mehr eingepackt, wenn wir gewusst hätten wie lang diese Wanderung werden würde. Je weiter wir kamen, wurde uns das Ziel durch den tosenden Atlantik vorausgezeigt, den man ab und zu zwischen den Felswänden sehen konnte.

Mittlerweile fragten wir uns, wo wir eigentlich rauskommen würden. Da hatten wir vorher nicht wirklich drüber nachgedacht. So sprachen wir also zwei Personen an, die ebenfalls Deutsche waren. Diese erzählten uns, sie müssen sich beeilen, um das vorher masca12gebuchte Wassertaxi zu erreichen, welches sie nach Los Gigantes bringen sollte. Wassertaxi? Los Gigantes? Unser Auto stand in Masca! So viel also zu “nicht vorbereitet“. Man kann die Masca-Schlucht also von Masca zum Meer machen, von dort mit dem Boot nach Los Gigantes und anschließend mit dem Taxi zurück zum Auto oder eben anders rum. Es gibt natürlich noch die Möglichkeit den Weg bis zur Hälfte und das gleiche Stück dann wieder zurück zu gehen. Konditionsstarke dürfen natürlich den kompletten Weg hin und zurück laufen. Nun waren wir also etwas im Stress, da wir nicht wussten, wann diese Boote fuhren oder ob man diese nur mit Voranmeldung nutzen konnte. Handynetz hatten wir nur kaum bis gar nicht und wir wussten nicht, wie weit der Weg noch war, bis man den Atlantik erreichen würde. Den Weg zurück gehen wollten wir nicht. Schließlich wollten wir die Tour komplett machen und die gleiche Strecke zurück​ zu gehen hätte vermutlich noch länger gedauert.

Wir brauchten 4,5 Stunden, andere brauchen vielleicht weniger lang, doch im Internet wird für den 5 Kilometer weiten Weg sogar auf einen 5,5 - 6,5 Stunden langen Marsch aufmerksam gemacht. In unserem masca10Wanderführer war diese Tour als “mittelschwer“ angegeben, andere empfehlen als Zielgruppe eher erfahrene Wanderer. Die Wanderung durch die Masca-Schlucht gilt als eine der spektakulärsten und zugleich schwierigsten Teneriffas. Es traut sich vielleicht nicht jeder, aber es ist allemal eine einmalige Erfahrung, die ich jedem empfehle, der es wagt dieses Abenteuer einzugehen. Schlussendlich erreichten wir nach viel Anstrengung tatsächlich unser Ziel. Eine Bucht, eingerahmt in eine beeindruckende Steilküste, die aus großen Steinen bestand und übersäht war mit Krebsen und Salamandern. Vor der Bucht befand sich ein kleiner Stand, an dem zwei Personen Tickets für das Wassertaxi verkauften, welches zwischen dieser Bucht und Los Gigantes pendelt. Glück gehabt - Wir bekamen noch das letzte Boot an diesem Tag!

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.